Die Neuauflage der indischen Zivilrechtsdebatte 2003 und ihre Darstellung in der englischsprachigen Presse

Nadja-Christina Schneider

Abstract


„Wie gefährlich ist der Islam?“, fragte die Wochenzeitung Die Zeit anlässlich der Terroranschläge vom 7. Juli 2005 in London und veröffentlichte hierzu unter anderem eine Polemik des britisch-indischen Schriftstellers Salman Rushdie gegen die Institutionen der islamischen Rechtsprechung in Indien und Pakistan.1 Ohne ihren geschichtlichen Hintergrund näher zu erläutern, nimmt Rushdie darin auch auf den jüngsten Streit über das islamische Personenstandsrecht in Indien Bezug, der die indische Medienöffentlichkeit gegenwärtig beschäftigt. Über die Frage, ob das Fortbestehen religiöser Familienrechte ein Hindernis für die Demokratie und „nationale Einheit“ bzw. ganz allgemein für den „Fortschritt“ in Indien darstellt oder vielmehr als Garant für die Pluralität der indischen Gesellschaft zu sehen ist, kam es seit dem berühmten Fall Shah Bano Mitte der 1980er-Jahre immer wieder zu heftigen Kontroversen, die wesentlich zur Polarisierung der indischen Gesellschaft beigetragen haben.2 Je stärker die Zivilrechtsdebatte von den Vertretern eines hegemonialen Hindunationalismus auf der einen und den Repräsentanten eines islamischen Minderheitennationalismus auf der anderen Seite als politische Debatte vereinnahmt wurde, umso deutlicher verschärfte sich der Antagonismus zwischen der Hindumehrheitsgesellschaft und der muslimischen Minderheit. Entscheidenden Einfluss auf den Verlauf und die Virulenz der Debatte hatte und hat dabei nach wie vor die Art und Weise, wie sie von den indischen Medien – und hier insbesondere der englischsprachigen Presse – aufgegriffen und dargestellt wird. Entsprechend legt dieser Beitrag zunächst die Kernproblematik der indischen Zivilrechtsdebatte dar und erörtert im Anschluss daran die Frage, ob und in welche Richtung die englischsprachige Presse die Diskussion gegenwärtig zu steuern versucht bzw. inwieweit sie einer erneuten Verhärtung der Fronten vorzubeugen versucht.

Schlagworte


Indien; Bürgerliches Recht; Islamisches Recht; Öffentliche Diskussion; Presse; Printmedien

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DOI: http://dx.doi.org/10.11588/ijb.2005.0.1506

URN (PDF): http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-ijb-15066

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