Buddhistische NROs in Bangladesch zwischen Selbstorganisation einer Minderheit, religiöser Praxis und Anknüpfung an die Mehrheitsgesellschaft

Lisa Wevelsiep

Abstract


Den Besuchern und Besucherinnen buddhistischer Tempel im heutigen Bangladesch wird schnell ins Auge fallen, dass viele von ihnen soziale Projekte wie Kinderheime oder Schulen betreiben. Aufbauend auf den Ergebnissen von Feldforschungen in buddhistischen Sozialprojekten im urbanen Raum Bangladeschs soll im Rahmen des Aufsatzes dargestellt werden, wie sich diese buddhistischen Projekte in einem Feld verorten, in dem sich neben ihnen vielfältige nationale und internationale Akteure bewegen und welches von heterogenen Diskursen über Formen und Ziele von entwicklungspolitischer Arbeit geprägt ist. Im entwicklungspolitischen Bereich wird ein Engagement von religiösen Akteuren nicht selten ambivalent betrachtet. Dem liegt unter anderem die Vermutung zugrunde, dass religiöse Organisationen lediglich Personen ihrer Glaubenszugehörigkeit in ihren Projekten begünstigten und dass auch die Programme religiös geprägt seien. Gerade die Tatsache, dass in Bangladesch die Mehrheit der heutzutage in buddhistischen Tempeln angesiedelten Sozialprojekte in den 1970er Jahren – zu einem Zeitpunkt wachsender Auseinandersetzungen zwischen zum Teil buddhistischen Minderheiten und dem Staat in den Chittagong Hill Tracts – gegründet wurden, ließe vermuten, dass diese Projekte Orte darstellen, an denen interne Diskurse und Praktiken einen Raum finden, welche in der Öffentlichkeit nicht problemlos artikulierbar und praktizierbar sind. Die Ergebnisse der Untersuchung deuten jedoch darauf hin, dass eine einseitige Einordnung von buddhistischen Nichtregierungsorganisationen (NROs) in Dhaka als Gegenräume allein schon aufgrund der Existenz einer großen Anzahl von muslimischen Beschäftigten und Begünstigten unzureichend ist. Vielmehr weist die Untersuchung darauf hin, dass das entwicklungspolitische Feld von den Beteiligten in den Organisationen vielfach als relativ neutraler Raum angesehen wird, in dem Anknüpfungen an die Mehrheitsgesellschaft geschaffen werden, und zudem an eine interne und externe Öffentlichkeit gerichtete neue Bilder über den Buddhismus kreiert werden können.

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DOI: http://dx.doi.org/10.11588/izsa.2017.2.1524

URN (PDF): http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-izsa-15241

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