Pakistan im Irrkreis

  • Werner Adam (Autor/in)

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Abstract

Pakistan hat in seiner dreißigjährigen Geschichte erst wenige Wahlen erlebt und ist dadurch sowohl in seinem demokratischen Reifeprozeß als auch in der Festigung seines nationalen Selbstvertrauens gehemmt worden. Nachgerade tragisch aber nimmt sich der Umstand aus, daß die seltenen Urnengänge dem Land obendrein Unheil brachten. Das war im Dezember 1970 der Fall, als die ersten freien Parlamentswahlen eine fatale Polarisation zwischen Ost- und Westpakistan heraufbeschworen und ein Jahr später in dem Abfall der östlichen Landeshälfte kulminierten, und das wiederholte sich auf politisch kaum minder bedrückende Weise im März 1977, als der damalige Premierminister Zulfikar Ali Bhutto den Wählerwillen massiv zu manipulieren trachtete und im Gefolge einer heftigen Gegenreaktion schließlich die Militärs auf den Plan rief. Zum dritten Mal seit der Gründung des islamischen Nachfolgestaates Britisch-Indiens wähnte sich die pakistanische Generalität von hoffnungslos zerstrittenen Zivilpolitikem gedrängt, als Retter einer Nation auftreten zu müssen, die ihrer selbst bis auf den heutigen Tag nicht wirklich sicher ist. Aufs neue in einen Circulus vitiosus geraten, sucht das leidgeprüfte Land seine Zukunft nun freilich buchstäblich in der Vergangenheit und glaubt das Heil im Nizam-i-Mustafa, in der Ordnung des Propheten, zu finden.

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Veröffentlicht
2018-02-20
Sprache
de