Die Kulturpolitik der Bundesrepublik in Indien

  • Gerhard Bierwirth (Autor/in)

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Abstract

Um die gegenwärtige Praxis bundesdeutscher Kulturpolitik in Indien richtig beurteilen zu können, müssen Tradition und spezifische Voraussetzungen dieser Kulturpolitik reflektiert werden. Hinsichtlich der Beziehungen zwischen einer entwickelten Industriegesellschaft und einem Land der Dritten Welt muß eine Ausgewogenheit des Verhältnisses, die auf der faktischen Ebenbürtigkeit der Partner beruht, bislang immer noch .erfunden' werden. Damit ist nicht nur die Überspielung von ungleichen Handelsbilanzen, von ungleich weit entwickelten Infra- und Sozialstrukturen gemeint, darunter fällt auch der sogenannte kulturelle Austausch, der auch mit quantitativen Kriterien zu messen ist. Überspielung als vorherrschende Tendenz im deutsch-indischen Kulturbetrieb wird beispielhaft dokumentiert durch das 1969 mit dem Nehru-Preis der BRD ausgezeichnete Schriftchen von S. K. Das: Western Sailors-Eastern Seas, German Response to Indian Culture (New Delhi: Thomson, 1971)1: Deutsche Fiktionali- sierung, perspektivenlose Überschätzung der Tatbestände und Elitarismus erscheinen darin ebenso wie indisches Unvermögen zur Synthese. Überholte deutsche Bürgerideologie prägen die Arbeit ebenso wie indischer Begriffs- und Namenfetischismus. Und vor allem belegt sie jene rituelle Wiederholung des Immergleichen, die im deutsch-indischen Austausch, dem offiziellen, beiden Seiten so sehr ans Herz gewachsen ist.

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Veröffentlicht
2018-03-02
Sprache
de