Arbeit am Feindbild: Der Streit über den Geschichtsunterricht an Indiens Schulen

  • Michael Gottlob (Autor/in)

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Abstract

Wenige innenpolitische Projekte der Regierung der National Democratic Alliance (NDA) sind mit so viel Nachdruck verfolgt worden wie das des neuen Nationalen Rahmenplans für den Schulunterricht. Der National Curriculum Framework for School Education wird etwa alle zehn Jahre vom National Council of Educational Research and Training (NCERT) ausgearbeitet, und es geht dabei nach den Worten des derzeitigen NCERT-Leiters J.S. Rajput um die Präsentation von „broad guidelines about how to address the major concerns and issues before the nation”.1 Die Parameter der National Policy on Education, so wie sie 1986 formuliert und 1992 zuletzt revidiert wurden, bleiben mit dem neuen im Jahr 2000 vorgelegten Rahmenplan nach Rajputs Worten im Wesentlichen unverändert, man habe nur auf einige aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und pädagogische Herausforderungen reagiert. Doch schon in den ganz allgemein gehaltenen Vorbemerkungen wird deutlich, dass an tief greifendere Neuerungen gedacht ist. So wird nicht nur der Aufbau einer „cohesive society based on pillars of relevance, equity and excellence“ gefordert. Es geht auch um die stärkere Einbeziehung von „indigenous knowledge“ in den Lehrstoff und um die Anerkennung von „India’s contribution to the world civilizations“. Als ein weiterer Schwerpunkt wird genannt „inculcating and nurturing a sense of pride in being an Indian, patriotism and nationalism tempered with the spirit of Vasudhaiva Kutumbakam.“2 In solchen Formulierungen klingen nach Ansicht mancher Kritiker bereits Kernpunkte der Hindutva-Ideologie an.

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Veröffentlicht
2017-04-06
Sprache
de
Beitragende/r oder Sponsor
GIGA
Schlagworte
Indien; Unterricht; Fachunterricht/Unterrichtsfach; Geschichte; Curriculum; Lehrbuch; Feindbild; Meinungsbildung; Kulturelle Vielfalt; Harmonisierung; Indian People's Party