Indien als Zufluchtsort für jüdische NS-Flüchtlinge

Flucht, Antikolonialismus und humanitäre Solidarität in der Zwischenkriegszeit

  • Maria Framke (Autor/in)

Abstract

Der Antisemitismus der Nationalsozialisten führte in den 1930er Jahren zu einer massenhaften jüdischen Flucht aus Mitteleuropa, unter anderem nach Indien. Dort kämpften indische Nationalisten für die Unabhängigkeit ihres Landes von der britischen Kolonialmacht. Gleichzeitig engagierten sich Vertreter der Unabhängigkeitsbewegung humanitär, indem sie ideologische und materielle Hilfe für Opfer von (Bürger-)Kriegen, so z. B. in Spanien und China bereitstellten. Diese Konflikte wurden vonseiten indischer Nationalisten als Ausdruck des globalen Kampfes zwischen den Kräften von Demokratie und Faschismus/Imperialismus verstanden. Vor dem Hintergrund der eigenen antikolonialen Bemühungen stellten sie sich auf die Seite, die Demokratie für sie repräsentierte. Mit der Ankunft jüdischer Flüchtlinge auf dem indischen Subkontinent stellte sich der indischen Nationalbewegung die Frage, ob und gegebenenfalls wie man diesen Verfolgten des Nationalsozialismus helfen könne. Zur Nachzeichnung dieser Debatten, sollen in diesem Essay zuerst die Rahmenbedingungen, Möglichkeiten und Grenzen der jüdischen Flucht nach Indien vorgestellt werden. Anschließend wird die Auseinandersetzung um die Bereitstellung humanitärer Hilfe für jüdische Flüchtlinge innerhalb der indischen Unabhängigkeitsbewegung vor dem Hintergrund von Antikolonialismus und Nationalismus herausgearbeitet. Das Essay geht somit der Frage nach den Motiven und der konkreten Umsetzung eines antikolonial ausgerichteten und getragenen Humanitarismus nach. Es wird dabei gezeigt, dass Ideen und Praktiken humanitärer Hilfe in der indischen Nationalbewegung nur im politischen Kontext imperialer und internationaler Verflechtungen verstanden werden können

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Veröffentlicht
2018-08-30